Emp­feh­lun­gen zum Thema
Äußere Rah­men­be­din­gun­gen und Selbst­re­gu­la­tion der Wissenschaft
Gern kön­nen Sie unten einen Kom­men­tar zu den Emp­feh­lun­gen in die­sem The­men­feld hin­ter­las­sen.
Emp­feh­lung 1 | Digi­tale Publikation

Auf­grund ihrer Vor­züge ist die digi­tale Publi­ka­tion der gedruck­ten der Ten­denz nach vor­zu­zie­hen, ohne sie als ver­bind­lich zu erklä­ren. Wis­sen­schaft­li­chen Gemein­schaf­ten, in denen sich die digi­tale Publi­ka­tion bis­lang noch nicht hat durch­set­zen kön­nen, wird emp­foh­len, deren Poten­tial zu prü­fen. Die Viel­falt von Nut­zungs– und Ver­brei­tungs­for­men sowie ins­be­son­dere die Bedeu­tung des gedruck­ten Buchs sol­len dadurch nicht ein­ge­schränkt werden.

Adres­sa­ten: Wis­sen­schaft und wis­sen­schaflti­che Förderorganisationen

Emp­feh­lung 2 | Lang­zeit­ar­chi­vie­rung

Die For­de­rung nach der Bereit­stel­lung einer geeig­ne­ten Infra­struk­tur für eine dau­er­hafte Nutz­bar­keit von Publi­ka­tio­nen – unab­hän­gig von tech­no­lo­gi­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Ver­än­de­run­gen (wie von der KII und WR erho­ben) – wird nach­drück­lich unter­stützt. Ange­sichts des in eini­gen Dis­zi­pli­nen und For­schungs­fel­dern zu beob­ach­ten­den man­geln­den Ver­trau­ens gegen­über der digi­ta­len Publi­ka­tion mit Blick auf die Lang­zeit­ar­chi­vie­rung soll­ten die Wis­sen­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen die Wis­sen­schaft stär­ker über die viel­fäl­ti­gen Initia­ti­ven zu die­sem Thema aufklären.

Adres­sa­ten: Wissenschaftsorganisationen

Emp­feh­lung 3 | Ein­däm­mung des Men­gen­wachs­tums (1)

Wenn­gleich die Mög­lich­kei­ten, For­schungs­er­geb­nisse auf elek­tro­ni­schem Wege zu publi­zie­ren, im Grund­satz zu begrü­ßen sind, ist es pro­ble­ma­tisch, wenn durch wis­sen­schafts­fremde (z. B. kom­mer­zi­elle) Akteure Mecha­nis­men der Qua­li­täts­si­che­rung außer Kraft gesetzt wer­den. Um dem ent­ge­gen­zu­wir­ken, sollte eine Infor­ma­ti­ons­res­source zur Beur­tei­lung der Qua­li­tät von Gold Open Access Jour­na­len geschaf­fen wer­den. Inner­halb von Fach­ge­sell­schaf­ten sollte eine Ver­stän­di­gung dar­über statt­fin­den, wel­che Qua­li­täts­stan­dards bei der Ablage von Publi­ka­tio­nen in Repo­si­to­rien ein­zu­hal­ten sind (Green Open Access).

Adres­sa­ten: Wis­sen­schafts­po­li­tik und wis­sen­schaft­li­che Förderoganisationen

Emp­feh­lung 4 | Ein­däm­mung des Men­gen­wachs­tums (2)

Die nach­fra­ge­ge­trie­bene mehr­fa­che Ver­öf­fent­li­chung des­sel­ben oder eines leicht abge­wan­del­ten For­schungs­bei­trags ist pro­ble­ma­tisch. Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­lern wird emp­foh­len, auf redun­dante Ver­öf­fent­li­chun­gen zu ver­zich­ten, wenn der Rezi­pi­en­ten­kreis dadurch nicht nen­nens­wert ver­grö­ßert wer­den kann.

Adres­sa­ten: Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wissenschaftler






Kom­men­tare

  • Ein­ge­la­de­ner Kommentar

    Rein­hold Kliegl, stell­ver­tre­ten­der Spre­cher der Arbeits­gruppe über Wis­sen­schaft im Span­nungs­feld von Kon­kur­renz und Koope­ra­tion und Open Science

    https://www.youtube.com/watch?v=Bb5_q1ui2E0

  • Ein­ge­la­de­ner Kommentar

    Peter Wein­gart, Spre­cher der inter­dis­zi­pli­nä­ren Arbeits­gruppe über gedruckte und digi­tale Publikation

    https://www.youtube.com/watch?v=xROQOUyav3w

  • Invi­ted Comment

    Kom­men­tar von Chris­tof Schöch zu Emp­feh­lung 3 (Ein­däm­mung des Men­gen­wachs­tums 1)

    Mehr Trans­pa­renz bei den Gold-Open-Access-Journalen erscheint sinn­voll, aber nach dem Trans­pa­renz­prin­zip sollte auch bei den Green Open-Access-Repositorien vor­ge­gan­gen wer­den. Es erscheint mir in die­sem Zusam­men­hang pro­ble­ma­tisch, die Fach­ge­sell­schaf­ten zu einer Ver­stän­di­gung dar­über auf­zu­ru­fen, wel­che Qua­li­täts­stan­dards bei der Ablage von Publi­ka­tio­nen in Green Open Access-Repositorien ein­zu­hal­ten sind. Die Fach­ge­sell­schaf­ten kön­nen Erklä­run­gen über die all­ge­mei­nen Anfor­de­run­gen an For­schungs­leis­tun­gen und Publi­ka­tio­nen in ihrem Fach­ge­biet machen und damit Hin­weise oder Emp­feh­lun­gen geben, nach wel­chen Kri­te­rien der for­male Peer Review eines Bei­trags zu einer Zeit­schrift oder Kon­fe­renz durch­ge­führt wer­den könnte. In einem Repo­sitory soll­ten aber alle Arten von For­schungs­er­geb­nis­sen archi­viert wer­den kön­nen, auch sol­che, die nicht für eine sol­che for­male Begut­ach­tung und Ver­öf­fent­li­chung gedacht oder geeig­net sind, wozu unter ande­rem Pro­dukte wie der Foli­en­satz für einen Vor­trag, ein Vor­trags­skript oder Hand­rei­chun­gen für ein Tool zäh­len könn­ten. Anders aus­ge­drückt: Sinn­voll mit dem Men­gen­wachs­tum umge­gan­gen wer­den kann im digi­ta­len Medium viel pro­duk­ti­ver nach dem Prin­zip „publish first, fil­ter later“ als durch eine vor­gän­gige Selek­tion. Und es könnte zugleich Trans­pa­renz her­ge­stellt wer­den, indem Green Open Access-Repositorien für jeden Ein­trag die Infor­ma­tion dar­über anbie­ten, wel­che Art der Qua­li­täts­si­che­rung die Publi­ka­tion durch­lau­fen hat. Dies würde es ermög­li­chen, Such­an­fra­gen situa­ti­ons­ab­hän­gig mehr oder weni­ger stark zu fokus­sie­ren, ohne dass aber bestimm­ten For­schungs­pro­duk­ten der Zugang zur Archi­vie­rung von vor­ne­her­ein ver­wehrt bliebe. Es fehlt in die­ser Emp­feh­lun­gen an Mut, die Eigen­schaf­ten des digi­ta­len Medi­ums wirk­lich zum Vor­teil des Publi­ka­ti­ons­we­sens und der Wis­sen­schaft, für die es da ist, auszuspielen!

    • http://www.signifyingmedia.net Ste­phan Packard

      Danke für die kla­ren Worte. Ich kann das nur unter­strei­chen: publish first, fil­ter later ist nicht nur die beste Mög­lich­keit, Qua­li­täts­ma­nage­ment und erleich­ter­tes Publi­zie­ren glei­cher­ma­ßen zu nut­zen; jeder Ver­such, Fil­ter First auf­recht zu erhal­ten, würde dar­über hin­aus nur zur Spal­tung der aka­de­mi­schen Öffent­lich­keit in „echt online publi­zierte“ und „nur online publi­zierte“ Texte füh­ren, deren Dif­fe­renz­kri­te­rium zuneh­mend belie­big würde.